Buchtipp für Erwachsene Juli 2014

Anne Landsman: Wellenschläge

Übersetzt von Miriam Mandelkow. - 1. Aufl. - Frankfurt am Main : Schöffling, 2014. - 264 Seiten
Originaltitel: The rowing lesson. - Aus dem Engl. übersetzt
ISBN 978-3-89561-015-8 fest geb. : EUR 19.95

(© Schöffling)

Die 40jährige schwangere Betsy wird an das Sterbebett ihres Vaters nach Südafrika gerufen. Sie lebt inzwischen, nachdem sie ihre Kindheit und Jugend in Südafrika verbracht hat, als Malerin in New York. Ihr Vater, ein angesehener Arzt, ist nach einem Armbruch und der darauf folgenden Operation ins Koma gefallen. Die zuständigen Ärzte machen ihr und der hinzu geeilten Familie wenig Hoffnung, dass der Vater wieder aufwachen wird.
So wacht Betsy, immer wieder begleitet von ihrer Mutter und ihrem Bruder, am Krankenbett des Vaters. Ohnmächtig am Bett des Vaters sitzend und mit einem gewissen Abstand beginnt sie, sich die Lebenserinnerungen des Vater ins Gedächtnis zu rufen und zu erzählen. Es wird die Geschichte eines bedeutenden und doch einsamen Mannes seiner Zeit, die seine Tochter unsentimental und humorvoll erzählt. Der Strom der Erinnerungen erinnert an den Lauf eines Flusses bestehend aus Leben und Tod, einem Kreislauf, der sich immer wiederholt.

Als Sohn jüdischer Einwander aus Litauen hatte der Vater Medizin studiert. In seiner Kindheit war er immer sehr schwächlich und bei schlechter Gesundheit gewesen. Daraus resultierte sein Berufswunsch und er wurde ein angesehener Landarzt in Südafrika. Er heiratete eine jüdische Kommilitonin und bekam mit ihr zusammen zwei Kinder. Über alle ethnischen Grenzen hinweg kümmerte er sich mit Hingabe um seine Patienten, die ihn „Dr.God“ nannten. Doch er war auch jähzornig  und oft widersprüchlich und häufig leidete seine Familie unter seinen Stimmungen.

Es wird klar, dass die Erzählerin ein ambivalentes Verhältnis zum Vater hat und trotzdem traurig ist über den bevorstehenden Verlust. Ganz nebenbei beschreibt Betsy auch die Geschichte Südafrikas während des Zweiten Weltkrieges und fächtert fünzig Jahre südafrikanische Geschichte anhand der Biografie des Vaters auf.

Anne Landsman erzählt ihren autobiografisch geprägten Roman in einer eindringlichen und poetischen Sprache, die Geschichte eines außergewöhnlichen Mannes und eigentlich viel mehr – nämlich den Kreislauf des Lebens bestehend aus Ende und Neubeginn.

Zur Autorin:



Anne Landsman, 1959 geboren und aufgewachsen in Südafrika, lebt seit vielen Jahren in New York. 
Sie studierte Englisch und erwarb 1981 ihren Bachelor an der Universität in Kapstadt, ihren Master-Abschluss in den Fächern Drehbuchschreiben und Regie machte sie 1984 an der Columbia Universität in New York. Sie unterrichtete bis 2001 an der New School for Social Research und verfasste nebenbei Drehbücher und Kurzgeschichten. 
Aus einer ihrer Kurzgeschichten entwickelte sie 1997 ihren ersten Roman „The Devil’s Chimney“ (dt. Die Brautkammer). Dieser wurde für den PEN/Hemingway Award nominiert. Für ihren zweiten Roman „The Rowing Lesson“ (dt. Wellenschläge) erhielt sie zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Sunday Times Fiction Prize. Der Roman ist 2014 bei Schöffling auf Deutsch erschienen.
 Anne Landsman lebt mit ihrem Mann und ihren Kindern in New York.
 
Pressestimmen zum Buch:

»Anne Landsman bestätigt ihren Ruf als eine der wichtigsten neuen Stimmen: ein verstörendes und wunderschönes Buch.«
 The Guardian

»Diese literarisch verspielt erzählte Geschichte eines sehr eigenen Mannes ist in ihrem Kern die universelle Geschichte von jenem Moment des Rollentausches, in dem sich Kinder um die Gesundheit ihrer Eltern sorgen.«
 Maren Keller, KulturSPIEGEL

Mehr Informationen zur Autorin und ihrem Werk: http://www.annelandsman.com

Übrigens -diesen Roman gibt’s ab 10.07. auch als eBook unter www.ostalb-onleihe.de.

 
Andrea Effinger

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