Buchtipp für Erwachsene Januar 2014

Daniel Galera: Flut
Berlin : Suhrkamp, 2013. - 422 Seiten
Originaltitel: Barba ensopada de sangue. - Aus dem Portugiesischen übersetzt
ISBN 978-3-518-42409-4 : EUR 22.95

Buchtipp für Erwachsene Januar 2014
Flut (© Suhrkamp)

Im vergangenen Jahr war Brasilien Gastland auf der Frankfurter Buchmesse. Zahlreiche Autoren wurden neu entdeckt und auch neu übersetzt. Eine ganz besondere Neuerscheinung aus Brasilien ist der Roman „Flut“ von Daniel Galera. Der junge Autor hat in seinem Heimatland bereits Romane veröffentlicht. Dort wurde dieser Roman eifrig diskutiert und hat großes Aufsehen erregt.

Hauptperson des Romans ist ein namenloser 33-jähriger Mann, der sich nach dem Selbstmord des Vaters Hélio in den Süden Brasiliens begibt. Dort soll sein Großvater im Dorf Garopaba auf mysteriöse Weise umgebracht worden sein. Um seinen Tod ranken sich zahlreiche Mythen. Die genauen Todesumstände wurden aber nie geklärt. Alle Beteiligten, die nach dem Vorfall befragt wurden, schwiegen beharrlich. Für den jungen Mann bedeutet es eine Spurensuche in die Vergangenheit seiner Familie.

Er selbst ist Schwimmer und Ex-Triathlet und leidet unter einer neurologischen Störung, die ihn Gesichter unheimlich schnell wieder vergessen lässt. So sucht er sich zunächst im kleinen Dorf des Großvaters eine Wohnung direkt am Strand und arbeitet als Schwimmlehrer, um Geld zu verdienen. Doch die Dorfbewohner empfinden den jungen Mann als Eindringling, der wie schon der Großvater die Dorfruhe stört. Keiner möchte mit ihm über den Tod des Großvaters reden, doch alle fühlen sich durch die Ähnlichkeit zum Großvater und die Nachforschungen des Enkels schmerzlich an den Vorfall erinnert. Er wird schnell zum Außenseiter und die Suche nach der Wahrheit wird für den jungen Mann eine Suche nach der eigenen Identität. Das Meer spielte bereits für den Großvater eine große Rolle und ist auch im Leben des Enkels entscheidend. Der Enkel verliert sich beinahe in seiner Suche, aber er lässt nicht locker und beginnt zielstrebig, die Wahrheit über den Tod des Großvaters herauszufinden. Doch diese Wahrheit hält eine fast unfassbare Überraschung bereit …

Der Roman ist die wunderschöne Geschichte eines Mannes, der bei der Suche nach der Wahrheit seine eigene Identität findet. Ganz nebenbei beschäftigt sich der Roman mit verschiedenen anderen philosophischen Themen wie der Verantwortung für eigene Taten, dem Vergessen und der Unmöglichkeit, die Vergangenheit zu ändern. Das mag ganz einfach klingen, aber der Autor versteht es mit einer ernsten und eindringlichen Geschichte, in den Bann zu ziehen und Emotionen auszulösen. Also eine lohnenswerte Neuentdeckung aus Brasilien.

Daniel Galera, geboren 1979 in São Paulo, lebt heute in Porto Alegre. Er hat Erzählungen, eine Graphic Novel und drei Romane geschrieben. Sein Werk ist vielfach ausgezeichnet, verfilmt und für das Theater adaptiert worden. Galera hat u. a. Zadie Smith, Jonathan Safran Foer, David Foster Wallace und Hunter S. Thompson übersetzt. „Flut“ ist sein erster ins Deutsche übersetzter Roman.

Andrea Effinger, Stadtbibliothek im Torhaus

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