Buchtipp für Erwachsene Dezember 2015

Karl-Heinz Ott: Die Auferstehung

München: Hanser, 2015. - 348 Seiten
ISBN 978-3-446-24909-7 fest gebunden: EUR 22.90

(© Hanser)

Zum Inhalt:

Wer kann sich eine solche Situation nicht allzu gut vorstellen? Der Vater ist in hohem Alter verstorben und bereits beim ersten Treffen am Totenbett entbrennt ein Streit zwischen den Nachkommen, wie wohl das Erbe zu verteilen ist. So auch im neuen Roman von Karl-Heinz Ott.

Die vier längst erwachsenen Kinder des pensionierten Chefarztes der Ulmer Unfallklinik, Jan Nido, treffen sich im Haus ihrer Kindheit in Ulm am Sterbebett des Vaters wieder. Der Vater sei tot, hatte die Tochter Linda ihren Brüdern Joschi, Uli und Jakob telefonisch mitgeteilt. Der Tod wurde zwar noch durch keinen Arzt bestätigt, aber die Zeit bis dahin, wollen die Kinder nutzen, um sich schon einmal über das Erbe Gedanken zu machen. Womöglich kann ja noch verhindert werden, dass ein Testament in falsche Hände gerät …

Vor allem die Tochter Linda, die ihren Vater wie die Brüder in den letzten Jahren kaum mehr gesehen hat, bangt um den Nachlass des Vaters. Die Geschwister hatten versucht, den Vater entmündigen zu lassen, was dieser ihnen sehr übel genommen und die Kinder aus seinem Leben verbannt hatte. Er genoss sein Leben lieber mit der ungarischen Putzfrau, die wohl auch die Geliebte des Vaters geworden und nun als potentielle Erbin natürlich eine Gefahr darstellen könnte. Nun gilt es zuerst mit dem Anwalt des Vaters in Kontakt zu treten, der ausgerechnet vor langer Zeit eine unglückliche Verbindung mit Tochter Linda hatte.

Das Familientreffen entwickelt sich zu einem Schaulaufen von gescheiterten Existenzen. Endlich haben alle Gelegenheit, sich auszutauschen und gegenseitig ganz unverblümt die Meinung zu sagen. Joschi, der als kommunistischer Rebell den Vater in der Vergangenheit gerne provozierte, verhält sich nun beinahe apathisch. Jakob, der gerne als Kulturjournalist in Paris leben würde, ist pleite und Uli, der als gläubiger Ökofreak seine Überzeugungen fast täglich ändert, sieht wie sein Traum von einem alternativen Leben scheitert. Die geschäftstüchtige Schwester Linda leitet ein Kunsthaus in der Provinz, leider nur mit sehr mäßigem Erfolg.

Sie alle sitzen einen Tag und eine Nacht zusammen – genug Zeit, um die Lebensformen und Lebenspläne der anderen zu zerpflücken, über die Vergangenheit und den Tod zu sinnieren. Alte Familiengeheimnisse werden durchleuchtet und endlich ist die Gelegenheit da, mit den eigenen Eltern abzurechnen.

Karl-Heinz Ott ist ein Roman wie ein Kammerspiel gelungen, der mit Witz, Dramatik und einer wunderbaren Sprache über die wichtigen Dinge des Lebens nachdenkt.

Pressestimmen:

"Ott brilliert mit scharfkantigen Miniaturen und wunderbaren Dialogen, mit vielen kleinen, ironisch eingefärbten Szenen." Martin Zingg, Neue Zürcher Zeitung, 26.11.15

"Es ist herrlich komisch und satirisch, wie Ott die Temperamente aufeinanderprallen lässt." Ulrich Rüdenauer, WDR 3, 17.11.15

"Oha – dieses Familientreffen möchte keiner der Beteiligten noch einmal erleben. Als Leser erinnert man sich mit wohligem Schaudern des geradezu boulevardesken Stoffes, dem Karl-Heinz Ott freilich alles abgewinnt, was einem seriösen Roman ausmacht. Amüsant ist er obendrei." Martin Oehlen, Frankfurter Rundschau, 03.09.15

Zum Autor:

Karl-Heinz Ott wurde 1957 in Ehingen an der Donau geboren und studierte Philosophie, Germanistik und Musikwissenschaft. Anschließend arbeitete er als Dramaturg an den Theatern in Freiburg, Basel und Zürich. Er erhielt den Friedrich-Hölderlin-Förderpreis sowie dem Thaddäus-Troll-Preis, außerdem den Alemannischen Literaturpreis, den Candide-Preis sowie den Preis der LiteraTour Nord. Im Jahr 2012 wurde ihm der Johann-Peter-Hebel-Preis verliehen, 2014 bekam er den Wolfgang-Koeppen-Literaturpreis. Karl-Heinz Ott lebt in Freiburg.

Weiter Bücher von Karl-Heinz Ott:

  • Karl-Heinz Ott. Wintzenried Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg 2011,
    ISBN 9783455403114, Gebunden, 205 Seiten, 18,99 EUR
  •   Karl-Heinz Ott: Ob wir wollen oder nicht.
    Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg 2008,
    ISBN 9783455401080, Gebunden, 256 Seiten, 19,95 EUR
  • Karl-Heinz Ott: Tumult und Grazie. Über Georg Friedrich Händel
    Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg 2008,
    ISBN 9783455500912, Gebunden, 317 Seiten, 22,00 EUR
  •  Karl-Heinz Ott: Ins Offene. Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg 2006,
    ISBN 9783455400069, Gebunden, 143 Seiten, 17,95 EUR
  • Karl-Heinz Ott: Endlich Stille. Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg 2005,
    ISBN 9783455058307, Gebunden, 208 Seiten, 17,95 EUR

Andrea Effinger, Stadtbibliothek im Torhaus

Unsere Buchtipps für Sie:

Unsere Buchtipps für Sie:

zurück zum Hauptartikel

Veranstaltungen