Aalen feiert die Schubart-Preisträger 2017

„Der heutige Abend wird vom bisher Üblichen abweichen und wir lassen manche uralte Konvention hinter uns.“ versprach Oberbürgermeister Thilo Rentschler beim Festakt am Samstagabend zu Verleihung des Schubart-Literaturpreises 2017. Und er hatte nicht zu viel versprochen: ein amüsanter und unterhaltsamer Abend folgte. Bereits der fulminante Auftakt der Tanzgruppe KERAAMIKA – live begleitet vom Ensemble Cellikatessen - stimmte das Publikum in der vollbesetzten Stadthalle auf die anschließende Preisvergabe ein. Zum ersten Mal in der langen Geschichte des Schubartpreises hatte die Stadt Aalen zum Festakt am Samstagabend eingeladen, so konnte am traditionellen sonntäglichen Matinee-Termin eine Lesung der beiden Preisträger im Rathaus angeschlossen werden.

Schubart-Literaturpreisträger 2017
Schubart-Literaturpreisträger 2017 (© Peter Hageneder)

„Wir wollen den Schubart-Literaturpreis und vor allem unsere frischgebackenen Preisträger gleich an zwei Tagen in der Stadt würdigen: Heute Abend in festlichem Rahmen mit der Verleihung des Hauptpreises und des von der Kreissparkasse gestifteten Förderpreises und morgen Vormittag im Rathausfoyer – mit einer Matinee bei der die beiden Preisträger, aus ihren – im wahrsten Sinne des Wortes „ausgezeichnetem“ Werk lesen können.“ kündigte Oberbürgermeister Rentschler an.

Dr. Stefan Kister, Kulturjournalist der Stuttgarter Zeitung und Mitglied der Jury, würdigte in seiner Laudatio den 1978 in Bosnien geborenen  Hauptpreisträger Sasa Stanisic für sein aktuelles Werk „Fallensteller“. „Denn bei diesem Autor gibt es nichts Halbes, einfach so dahin Geworfenes, nichts Tausendmal-schon-Gesagtes. Vielmehr ringt jedes Wort darum, die große Hoffnung offen zu halten und nicht zur billigen Weisheit zu verkommen.“

Sein Hinweis auf eine Hauptperson in Stanisic’ Werk, wurde dann vom Preisträger in meisterlicher Art und Weise in seiner Dankesrede aufgegriffen: „Ich kann nicht so gut Reden schreiben, ich erzähle Ihnen eine Geschichte über die Wirkungskraft von Literatur.“ Zum überwiegenden Teil in freier Rede, ließ er dann seinen fiktiven Helden Lada auf den Spuren früherer Geschichten und literarischer Schauplätze umherstreifen, griff Schubart und sein Werk auf, (mit dem er einig ist, dass die literarische Freiheit verteidigt werden muss) schloss einen kleinen Seitenhieb auf die aktuelle Situation in der Türkei an, wo Journalisten ins Gefängnis geworfen werden und  zog am Ende ein Resümee in nur drei Worten: Sprache, Mut und Zauberei.

Die Literaturexpertin Verena Auffermann aus Berlin hatte dann die Aufgabe die Förderpreisträgerin zu würdigen. In gewohnt charmanter und souveräner Art und Weise hielt sie die Laudatio auf die 1979 in Bonn geborene Isabelle Lehn für deren Romandebüt „Binde zwei Vögel zusammen“: „Isabelle Lehn hat einen Roman über die große Irritation geschrieben, die unseren Alltag  zunehmend prägt. Es geht um die Grundfesten unserer Identität! Wie verändern wir uns, wenn wir eine Rolle übernehmen.“  

Auffermann lobte die beiden Preisträger als Garanten dafür, dass sie mit ihren Texten weit über das hinausgingen, was üblicherweise von Sprache zu erwarten sei.

Carl Trinkl, Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse Ostalb, die den mit 5.000 Euro dotierten Förderpreis zum Schubartpreis stiftet, zeigte sich von Isabelle Lehns Werk begeistert. „Es ist ein Genuss dieses Buch zu lesen.“  und sagte in gleichem Atemzug die Fortführung des Engagements der Kreissparkasse für das Jahr 2019 zu.

Dr. Lehn bedankte sich für „den ersten größeren Preis“  den sie für ihre literaische Tätigkeit erhalten habe mit dem Vortrag eines Gedichtes von C.F.D. Schubart.
Mit einem „persönlichen“ Auftritt Schubarts, gespielt von Theaterschauspieler Arwid Klaws, ging der Festakt in den gemütlichen Teil über und beide Preisträger trugen sich ins goldene Buch der Stadt Aalen ein.

 

© Stadt Aalen, 27.04.2017

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